Nominierungsrede

Liebe Genossinnen und Genossen,

Liebe Gäste,

vor sieben Jahren habt ihr mich zu eurem Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters nominiert. Eine tolle Veranstaltung war das damals in der Kulturetage, mit vielen Gästen, Musik. Stephan Weil war auch da. Ein unvergessliches Erlebnis für mich.

Heute stehe ich vor euch und spreche in eine Kamera, kann keinen von euch persönlich begrüßen, habe die meisten von euch seit Monaten nicht mehr persönlich gesehen. Das ist schon eine bizarre Situation.

Und trotzdem kommen wir heute zusammen, Corona hält uns nicht auf. Wir lieben unsere Stadt und wir wollen ihre Zukunft gemeinsam gestalten. Danke, dass ihr dabei seid. Danke schon jetzt für eure Unterstützung!

Besonders bedanken möchte ich mich bei allen Genossinnen und Genossen, die das heute möglich machen, in der Geschäftsstelle und in den dezentralen Wahllokalen in den Carports und Garagen in unseren schönen Ortsvereinen! Vielen herzlichen Dank!

Heute geht es uns um die Zukunft unserer Stadt, nicht um die Vergangenheit. Lasst mich dennoch ein paar Schlaglichter darauf werfen, was wir in den vergangenen sieben Jahren gemeinsam für unsere Stadt erreicht haben.

Gemeinsam haben wir zahlreiche Grundschulen zu Ganztagsschulen ausgebaut,

wir haben mehr als 1000 neue KiTa und Krippenplätze neu geschaffen und damit die Bildungsgerechtigkeit in der Stadt entscheidend voran gebracht

und wir haben vielen Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht

  • Wir haben für den Bau von Tausenden insbesondere bezahlbaren Wohnungen gesorgt und dabei mit dem Fliegerhorst einen ganzen Stadtteil neu entwickelt
  • Wir haben mit dem Stadtmuseum und den Planungen für das neue Ganztagsbad am Flötenteich aber auch mit vielen weiteren Maßnahmen für Kunst und Kultur wirksam für mehr Attraktivität unserer Stadt gesorgt.
  • Wir haben das Klinikum Oldenburg aus der größten Krise seines Bestehens geführt und jetzt mit Hilfe des Landes den Ausbau zu einem echten Uni-Klinikum
  • Und, nicht zu allerletzt, wir haben die Flüchtlingskrise gemeinsam gemeistert und dabei mehr als 5000 Menschen eine neue Heimat in Oldenburg geboten. Dabei haben wir -Oberbuergermeister, Verwaltung und Stadtrat- nie die Menschlichkeit aus den Augen verloren. Darauf bin ich stolz!

Liebe Genossinnen und Genossen,

ich könnte noch eine ganze Zeit so weitermachen. Es waren sieben gute Jahre für Oldenburg. Mit diesem Selbstbewusstsein bewerbe ich mich um weitere fünf Jahre. Ich bitte euch, mich erneut als euern Kandidaten für das Amt des Oldenburger Oberbürgermeisters aufzustellen.

Aber ich will das nicht allein machen. Ich will fortsetzen, was wir in den letzten Jahren als Oldenburger Sozialdemokratinnen und -demokraten gemeinsam aufgebaut haben.

Ich möchte mich bedanken bei unserem Bundestagsabgeordneten Dennis Rohde, bei unseren Landtagsmitgliedern Hanna Naber und Ulf Prange, bei unserem Parteivorstand mit Nicole als Vorsitzender, bei unserer Fraktion im Stadtrat und natürlich bei unseren Ortsvereinen und Arbeitsgemeinschaften für die gute, konstruktive Zusammenarbeit und die Unterstützung in vielen Oldenburger Angelegenheiten. Lasst uns diesen Weg erfolgreich fortsetzen, lasst uns weiter das Team Oldenburg sein!

Lasst uns diese Stadt weiter gerecht, sozial, klimafreundlich und erfolgreich gestalten!

Aber, liebe Genossinnen und Genossen, wie soll das alles weitergehen? werdet ihr fragen. Wie kommen wir aus dieser bleiernen Zeit heraus? Ja, derzeit ist das so. Corona hat alles im Griff. Aber eines ist auch sicher. Corona wird enden. Dieser Tag wird für uns alle ein Tag der Freude, aber vor diesem Tag haben auch viele Menschen Angst. Sie fragen sich:

  • Was wird dann noch übrig sein vom reichhaltigen kulturellen Leben?
  • Welche Restaurants und Kneipen gibt es dann noch?
  • Was wird aus dem Einzelhandel?
  • Wie retten wir unsere Theater, Musikbands, Schausteller?
  • Welche Schäden hat unsere Wirtschaft erlitten? Wie sieht es auf dem Arbeitsmarkt aus?
  • Und -ganz wichtig- wie viel Rückstand haben unsere Kinder und Jugendlichen in ihrer schulischen Bildung erlitten?

All dies sind berechtigte Sorgen, aber Angst ist kein guter Ratgeber. Deshalb müssen wir jetzt die Zeit in der Pandemie nutzen, um nach vorne zu denken. Wir brauchen Mut und Optimismus, und wir haben allen Anlass dazu. Lasst mich ein paar Punkte ansprechen, um die es gehen wird:

  • Oldenburg wird weiter wachsen. Deshalb gilt: Trotz der Erfolge müssen wir beim sozialen Wohnungsbau konsequent weiter machen. Dabei rückt die Bodenpolitik in Oldenburg noch stärker in den Fokus. Wir wollen Wohnungsbau fördern, aber nicht, damit wohlhabende Menschen ihr Geld gut angelegt bekommen, wir wollen Wohnraum schaffen, damit alle Menschen gut in Oldenburg leben können. Das wird der Deal sein. Und Investoren, die da mitgehen, sind unsere Partner.

Liebe Genossinnen und Genossen,

seit ich politisch tätig bin, steht die Bildungspolitik im Zentrum meiner Arbeit. Das war als Landtagsabgeordneter so, das war so als Ratsmitglied und Vorsitzender des Schulausschusses so und das hat auch meiner ersten sieben Jahre im Rathaus geprägt.

In keinem Bereich haben wir in den letzten Jahren so viel Geld investiert, so viele Projekte realisiert wie in unseren Schulen und Kitas. Und die Erfolge sind sichtbar. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen Deshalb sage ich:  Lasst uns jetzt in den nächsten fünf Jahren den Bock umstoßen und für alle Grundschulen, die das wollen, ein Ganztagsangebot schaffen. Lasst uns das Ausbauprogramm für Kitas und Krippen vollenden. Lasst uns jedem Kind die Bildungschance geben, die es verdient!

Weil jedes Kind gute Startchancen braucht! Aber auch, weil wir es den Familien in unserer Stadt, den Eltern, Kindern und Großeltern –gerade nach den vielen Einschränkungen der letzten Monate- schuldig sind!

Liebe Genossinnen und Genossen,

der Klimawandel ist Gegenwart. Temperaturrekorde, Dürre und Hitze im Sommer, zu warme Winter –  auch in unserer Stadt sind die Folgen der globalen Erwärmung schon jetzt spürbar. Womöglich sind die nächsten zehn Jahre entscheidend, um zumindest das Schlimmste für unseren Planeten noch abzuwenden.

Eigentlich waren wir in Oldenburg schon gut unterwegs. Es gab viele Projekte und Beratungsmöglichkeiten bei der Stadt,  Solardachkataster, Umweltbildungszentrum und vieles mehr. Aber als ich dann an einem Freitag  plötzlich zwischen Tausenden von demonstrierenden Jugendlichen stand, ist mir klar geworden: Das reicht nicht. Wir müssen noch mehr tun, wir müssen schneller werden.  Wir haben deutlich Fahrt aufgenommen. Mit dem Klimafonds steht jetzt dank der rotgrünen Haushaltsbeschlüsse Geld für zusätzlichen Klimaschutz in Millionenhöhe zur Verfügung. Und ich habe ein ganzes Amt für Klimaschutz eingerichtet. Diesen Weg werden wir weitergehen, konsequent bis zur Klimaneutralität. Da gibt es kein Zaudern und kein Zögern mehr. Es geht um eine neue, innovative Mobilität, es geht um Energieeffizienz aber auch um Nachhaltigkeit und Ernährung.

Wir müssen schnell sein, wir müssen aber auch die Menschen mitnehmen. Eine Politik allein mit Verboten und Vergrämung wird nicht zum Erfolg führen. Noch nie war die Bereitschaft der Menschen so groß, etwas für den Klimaschutz zu tun. Lasst uns dieses positive Engagement nutzen. Lasst uns Oldenburg zu einer klimaneutralen Stadt machen!

Liebe Genossinnen und Genossen,

Aber lasst mich zum Schluss über einen Gedanken sprechen, der mir wirklich wichtig ist. Was ist gerade jetzt die besondere Herausforderung für Oldenburg?

Es hat sich viel verändert in den letzten zehn Monaten. Oft sitze ich in meinem Büro im Rathaus, im Herze der Stadt und wenn ich das Fenster öffne, merke ich die Stille. Es ist still geworden in unserer Stadt. Das Gemurmel aus den Gassen das man sonst hört, lachende Kinder, die Straßenmusikanten, die Gespräche, die Menschen, ja sogar das laute Karussell auf dem Lambertimarkt, das mich oft auch bei der Arbeit gestört hat – all das fehlt.

Ja, ich weiß, das musste so sein. Wir wollten die Kontakte beschränken, die Ausbreitung von Corona verhindern. Und das ist uns ja auch ganz gut gelungen.

Aber das muss auch ein Ende haben. Ganz ehrlich, ich möchte mein Oldenburg zurück. Mit unserer bunten und vielfältigen Innenstadt, mit unseren Kneipen, unserer Kultur, unseren Sport-events.

Natürlich werden wir weiter vorsichtig sein und die Regeln einhalten. Wir werden impfen, testen Abstand halten. Aber trotzdem müssen wir uns jetzt schon Gedanken über die Zeit nach der Pandemie machen. Im Moment regiert die Angst die Menschen. Wir aber brauchen Mut!

Wir müssen unsere Innenstadt neues Leben einhauchen. Am Anfang mal durch eine Reihe von Veranstaltungen und Ideen, mit denen wir die Menschen den Menschen aus der Oldenburg und der ganzen Region sagen: Willkommen zurück! Das bereiten wir gerade vor.

Mittelfristig wollen wir mit unserer Innenstadtstrategie einen neuen Mix von Nutzungen in unsere Innenstadt bekommen. Einkaufen allein wird künftig nicht mehr reichen, um die Menschen in die Stadt zu holen. Wir brauchen Kultur, Musik, coole Kneipen und Restaurants, vielleicht aber auch Kunsthandwerk, Dienstleistungen oder wohnen. Die Fußgängerzone muss ein Erlebnisraum werden. Wenn man aus der Oldenburger Innenstadt nach Hause kommt, muss man etwas erlebt haben, muss man etwas zu erzählen haben. Mit diesem Anspruch kann unsere City sich neu behaupten!

Wir müssen uns aber auch um unsere jungen Leute kümmern. Für sie waren die letzten Monate wirklich schlimm. Stellt euch mal vor, ihr seid siebzehn und müsst so leben.

Jugend, das heißt raus gehen, Gleichaltrige treffen. Seien wir ehrlich, diese Altersgruppe hat es nicht immer einfach in Oldenburg. Wo kann man sich treffen? Wo kann man feiern? Ich möchte gemeinsam mit jungen Menschen Ideen sammeln, was sie sich wünschen in Oldenburg. Und ob das nun ein Jugendfestival ist oder ein Club zum Feiern, ich bin da offen für Ideen. Und wenn es gute Ideen gibt, dann will ich helfen, Sie umzusetzen. Da müssen die Bedenkenträger innerhalb und außerhalb der Verwaltung sich auch einfach mal ein bisschen locker machen.

Das sind nur zwei Beispiele, wo man ansetzen muss. Ich könnte noch über Sportvereine, Stadtteile, Bürgerhäuser und vieles mehr sprechen. Eigentlich ist es eine große Aufgabe:

Lasst uns dafür sorgen, dass die Menschen bei uns wieder Spaß und Freude am Leben haben. Das wäre mein wichtigstes Ziel. Ich will wieder Leben in der Stadt. Steht nicht zufällig auf der Rückwand hier.

Ich will Leben in der Stadt, lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass es wieder lebendig wird in Oldenburg. Dafür bitte ich um eure Unterstützung. Heute abend, mit eurer Stimme aber auch in den nächsten Monaten, bis zum 12. September, wenn wir die Oldenburgerinnen und Oldenburger von unserem Weg überzeugen werden.

Vielen Dank!